Foto: Brigitte Schwietert

Kirche St. Georg

Altar in St. Georg – Ausschnitte aus den Predigten der Kar- und Osterzeit 2021

Abendmahl an Gründonnerstag

Foto: privat

Es ist Passah! Das wichtigste jüdische Fest, dass mit einem Essen beginnt, wie es Jesus mit den Jüngern nun ebenfalls feiern will. Ein Sedermahl wie die Juden sagen. Die Speisen und die dazu gesprochenen Worte erinnern symbolisch daran, wie die Israeliten aus Ägypten, dem Land der Sklaverei und der jahrelangen Unterdrückung in die Freiheit ausziehen konnten. … Gründonnerstag! Alles ist vorbereitet! Alle sitzen bzw. liegen an dem Tisch mit den Speisen des Passah, zu dem das ungesäuerte Brot und Wein gehören. …

Jetzt sagt Jesus etwas. Mitten beim Essen. Einer von euch wird mich verraten! Alle erstarren. Waaas? Haben sie das richtig gehört? Verraten? Jesus verraten? Einer von ihnen? Nein, niemals!   Herr, bin ich das? Bin ich‘s? Oder ich ... so fragen sie ihn alle – und sind sehr aufgeregt. …

Man sieht diese --Betroffenheit –Ratlosigkeit –Verwunderung – Aufgeregtheit -- noch auf den Gesichtern auf unserem Bild. Unterschiedliche Haltungen, Gesten, Blickrichtungen, verschiedene Gesichtsmimik. …

Es sind außergewöhnlich gewöhnliche Männer.  Ganz normale Menschen, wie du und ich. Sie neigen zu Fehlern, falschen Darstellungen, Übertreibungen, Kleingläubigkeit, Versagen und Einstellungen, die völlig daneben sind. …

Da ist zuerst einmal Petrus, der Vorzeigejünger. Petrus war bekannt als stürmisch, impulsiv und übereifrig, eher unbeständig. Mut und Tatkraft gehörten auch zu seinen Eigenschaften – das musste man ihm lassen. Zu seiner Veranlagung gehörten Wissbegier, Initiative, Tatendrang, Ehrgeiz, Engagement und ein großes Selbstvertrauen. Gleichzeitig die Bereitschaft, die eigenen Charaktereigenschaften in der Beziehung zu Jesus zu formen und zu entwickeln. Der hitzköpfige Petrus lernte, sich zu beherrschen, er lernte Mitgefühl ebenso wie Demut und Liebe. …

Dann ist da Andreas, der Bruder des Petrus. Der Apostel der kleinen Dinge. Er ist der erste berufene Jünger. Meistens befindet er sich im Hintergrund, ist oft bei wichtigen Ereignissen nicht dabei, gehört aber doch zum engeren Kreis. …

Jakobus, auch ein Jünger des engeren Kreises. Es gibt fast überhaupt keine klaren Details über sein Leben und seinen Charakter. Er war der ältere Bruder des Johannes und sie waren die Söhne des Zebedäus. Aus den wenigen Berichten wird aber deutlich, dass er ein Mann voller Eifer und Intensität war – stürmisch, leichtsinnig und leidenschaftlich – also nicht gerade ein passiver und ruhiger Mann war. …

Johannes, der Apostel der Liebe. Auch er gehörte zum innersten Kreis, war aber kein dominierendes Mitglied dieser Gruppe. Er ist der jüngere Bruder des Jakobus und genauso intolerant, ehrgeizig, aufbrausend und eifernd wie er. Er ist nicht die sanftmütige, blasshäutige, feminine Person, die an Jesu Schulter lehnt und mit zartem Blick zu ihm aufschaut.  Nein, er war ein rauer, kantiger Typ, wie auch alle anderen Fischer unter den Jüngern. Liebe war ein Charakterzug, den er erst von Jesus lernte und nicht etwas, was er von Natur aus mitbekam. …

Der Apostel Philippus – Wer war er? Vielleicht auch ein Fischer. Aus den wenigen Einzelheiten über ihn, können wir entnehmen, dass er ein Mensch der Zahlen und Fakten war – ein praktischer Typ, der sich an die Realität hält, aber nicht vorausschaut. An Stelle von Visionen hatte er die Neigung zum Pragmatismus und Zynismus – und manchmal zur Miesmacherei. Aber auch er wandelt sich und überwindet die menschlichen Neigungen, die seinem Glauben so oft im Weg waren. …

Nathanael, auch Bartholomäus genannt, war ein enger Gefährte von Philippus. Er war durchaus voreingenommen und zog voreilige Schlüsse und so war er auch zunächst sehr skeptisch, als Philippus ihm erzählte, Jesus sei der Messias. Er hatte das Vorurteil, ein Mann aus Nazareth könne niemals der Messias sein. Er überwand aber seine Skepsis und blieb Jesus vom Anfang bis zum Ende treu. …

Matthäus, der Zöllner und Thomas, der Pessimist. Jakobus, der Kleine, Simon, der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus. Treue, gottesfürchtige und gläubige Jünger, die Jesus lieben. …

Schließlich noch: Judas Iskariot. Der verachtetste aller Jünger. Er war wohl ein junger, eifriger, patriotischer Jude, der die römische Herrschaft nicht wollte und darauf hoffte, dass Jesus das Reich Israel wiederherstellen würde. Er hatte sein Leben der Nachfolge Jesu gewidmet. Aber nicht sein Herz. War seine Rolle als Verräter vorbestimmt? Auf jeden Fall handelt Judas freiwillig und ohne Druck von außen. Er verrät Jesus und seine Sache – mit einem Kuss. …

Es sind reale, lebensnahe Charaktere, mit denen wir uns wohl identifizieren können – mit Fehlern und Eigenheiten, Erfolgen und liebenswerten Wesenszügen wie wir alle. …

Er teilt mit ihnen das Brot und den Wein als Zeichen seines Friedens. Nehmen wir es auf.

Jesus am Kreuz an Karfreitag

Foto: privat

Der Prophet Jesaja sagt: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Ein Vers, den wir in dieser Kirche auch wiederfinden. Ein Vers aus dem Jesajabuch, dem Alten Testament, steht auf unserem Altar. Unter dem Bild vom Kreuz, da, wo Jesus hängt, in der Mitte der Kreuze der Verbrecher. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Er am Kreuz, damit wir Menschen Frieden haben, Heilung. Er leidet, er hat seine Wunden an den Händen und an den Füßen, dass Gott uns Heilung schenkt.

Jesus Christus am Kreuz: Gottes Tat, der Weg zu Karfreitag, Gottes Weg mit Jesus Christus. Nicht, weil Gott uns Menschen unserer Bosheit überführen will. Auch nicht, weil Gott ein Todesopfer braucht, damit er uns vergeben kann. Nein, Gott braucht Jesus Christus am Kreuz nicht.Aber wir brauchen es: so deutlich, so krass, Jesus Christus am Kreuz, wird uns vor Augen geführt, was Gott uns schenkt. Denn es gibt Dinge, die können wir Menschen nicht aus eigener Kraft wiedergutmachen, wir brauchen dafür die Kraft, die Liebe unseres Gottes. Deswegen Jesus Christus am Kreuz, das krasseste Zeichen!

Christus ist auferstanden an Ostern

Foto: privat

Sehen wir auf unseren Altar. Ich habe ihn mir diese Woche noch einmal ganz genau angesehen. Wunderbar. Das sollten Sie auch nochmal tun. Es ist ein Abbild von diesem Spannungsbogen, von dem ich spreche, von Gründonnerstag an. Unten die Darstellung vom letzten oder auch vom ersten Abendmahl. Das letzte Mahl mit Jesus und seinen Jüngern, das erste Mahl in dieser Form mit Brot und Wein, mit der Vergebung der Sünden. So steht es auch auf unserem Altar:

Für euch gegeben zur Vergebung der Sünden, solches tut zu meinem Gedächtnis. Nehmet, esset, das ist mein Leib – Nehmet, trinket, das ist mein Blut.

Darüber das Bild von Karfreitag. Jesus hängt am Kreuz, unter dem Kreuz die Frauen. Verzweiflung, Schmerz, Menschen am Abgrund. Dazu das Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Die Strafe liegt auf ihm auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilet.

Und darüber: Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Gott sei Dank. Und ganz oben: kurz und bündig: Christus resurrexit, Halleluja. Christus ist erstanden. Es ist kurz, mehr Worte braucht es kaum. Er ist auferstanden, es geht weiter. Und ganz oben auf unserem Hochaltar, der Christus, stehend auf einem Skelett, die rechte Hand zeigt ja fast zum PeaceZeichen. Peace, Victory, Sieg. Der Tod ist besiegt. Christus resurrexit. Unglaublich und doch wahr.

Was schenkt uns Gott in diesem Bild. Gucken wir auf unseren Altar. Auf den Spannungsbogen. Er führt hier von unten nach oben. Unten ist es noch breit und nach oben hin wird es immer schmaler. Bis hin zu Christus allein. Christus, nicht der Christus am Kreuz, sondern der Auferstandenen. Nicht der, der mit den Jüngern gereist ist und geheilt und von Gottes Liebe gesprochen hat. Nein, ganz oben allein steht der Christus mit dem PeaceZeichen. Peace, Victory, Sieg. Allein auf Christus wollen und sollen wir uns stützten. Denn im Tod wird er uns erneut begegnen: der Auferstandene. Und uns führen zum ewigen Leben, zu Gott. Das Zeichen von Ostern: Der Tod ist besiegt. Der Stein vorm Grab ist weggerollt. Nichts mit Ausgangssperre. Nein, Jesus Christus, der Auferstandene führt zum Leben. Gott zeigt den Sieg: Ihr Menschen, es geht weiter. Ich bin der ich bin und ich bin der Ich bin da, im Leben, im Leiden, im Sterben und danach.

Wir werden auferstehen, wir können gewiss sein, dass Gott bei uns ist, im Leben, im Leiden, im Sterben und danach. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch Jesum Christum, unseren Herrn.

Gesegnete Ostern.

Foto: Jörn Bergmann

Die vier Glocken unserer Kirche St. Georg wurden am 14. August von Jörn Bergmann, selbst ernanntem Glockenfreund, aufgenommen und auf seinem Youtube Kanal Petersglocke veröffentlicht. 

Im oktogonalen Turm hängt ein verstimmiges Geläut der Glockengießerei Rincker. Diese wurden im Jahr 1972 gegossen. Das Geläut erklingt im Westminster-Motiv, welches relativ selten für diese Gegend ist. 

Rechts finden Sie die einzelnen Glockenaufnahmen und eine Aufnahme des Vollgeläuts. Vielen Dank an Jörn Bergmann für die Aufnahmen!

So kommen Sie zum Video der Glocken - von Jörn Bergmann

Hillgen Hall - die Sage zu St. Georg - aus dem Plattdeutschen übertragen

Foto: Brigitte Schwietert

In Ankum wohnte eine reiche Witwe, die schon seit langem krank und bettlägerig war. Sie gelobte eines Tages, eine Kapelle zu bauen, wenn sie wieder gesund würde, und zwar an der Stelle, wo sich eine Gans zuerst niederließ, wenn sie diese fliegen ließe.

Die Witwe wurde wieder gesund. Da kamen Geistliche und viele andere Leute zu ihr, ließen eine Gans fliegen und folgten dieser. Die Gans flog durch die Bauerschaften Druchhorn und Suttrup und durch das Vehser Bruch, ließ sich schließlich auf dem "heiligen Berg" nieder und badete in einem benachbarten Gewässer. 

Die Leute, die ihr nachgegangen waren, nannten danach den Ort Badbergen, und die Witwe ließ das erste Gotteshaus darauf bauen und gab ihm den Namen "Hillgen Hall". 

Literatur

Schuckmann/Schlüter/Heuer: St. Georg Badbergen. Beiträge zur Baugeschichte, Badbergen 2000.

Interesse geweckt?

Dann melden Sie sich gerne im Pfarrbüro oder kommen vorbei. Wir haben einige interessante Literatur bereit gestellt bekommen.

Foto: Brigitte Schwietert

St. Georg - ein paar Informationen

Für die Kirche St. Georg in Badbergen reicht die schriftliche Überlieferung zwar nicht vor 1221 zurück, aber hier sind durch Ausgrabungen Kirchen seit 900 nachweisbar. Zunächst war es ein Bau mit eingegrabenen Holzpfosten (um 900), es folgte eine Schwellbalkenkirche (11. Jh.), bei der die Bauständer einer Schwelle aufsitzen. Um 1150 entstand als erster Steinbau ein Chorraum mit halbrunder Apsis, woraus eine Chorturmkirche mit westlich vorgelagertem Kirchenschiff entstand. Der romanische Turm trägt eine holzschindelbedeckte achtseitige Spitze.

Während der Zeit als Kanonikerstift (ab 1235 bis 1251/1257) entstand die große dreijochige Saalkirche aus romanisch-gotischer Übergangszeit als Stiftskirche. Der Bau wird außen von mächtigen Strebepfeilern aus späterer Zeit gehalten. Das Langhaus zeigt noch schmale rundbogige Fenster, im Chor sind sie bereits im Übergang zur Gotik mit frühestem Maßwerk.

Im Inneren an der Nordseite erstreckt sich eine Holzempore aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die doppelte Empore im Westen mit der Orgel (Beckerath, Hamburg 1989) stammt aus dem 19. Jahrhundert. Reste von Wand- und Gewölbemalereien aus dem 13. bis 16. Jahrhundert wurden in den 90ern teilweise freigelegt. 

Simultankirche - eine besondere Zeit

Foto: Friederike Giesecke von Bergh

Eine besondere Zeit für die St. Georg war die Zeit als Simultankirche. Von 1650 bis 1866 wurde sie von beiden Konfessionen genutzt, danach entstand die neugotische katholische St. Marienkirche. Der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, der aus Bentheimer Sandstein hergestellt wurde, ist auch durch die Zeit der Simultankirche geprägt. Das Taufbecken ist in dieser Zeit geteilt gewesen, für jede Konfession eine Seite. Der alte Bentheimer Taufstein erhielt einen zweiteiligen Einsatz: ein Kessel mit Trennwand zur getrennten Aufnahme der Taufwasser beider Konfessionen. Dazu kam der zweiflügelige Holzdeckel und beide Seiten des Beckens waren abschließbar. Heute noch erinnern das Becken – erkennbar ist auch noch die Naht der ehemaligen Trennwand – und der Holzdeckel an die Zeit des Badberger Simultaneums.